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Das Ende eines Energiegiganten

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Bildquelle: Christian Schlüter/E.ON

Vorbei sind die Zeiten des marktbeherrschenden Energiegiganten E.ON. Die Scheidung vom Betreiber konventioneller Kraftwerke und Konsortiumsmitglied der Nord Stream AG Uniper ist vollzogen, auch wenn E.ON aktuell noch zu 47 Prozent beteiligtest. Im März 2017 legten beide Unternehmen erstmalig je eine eigene Jahresbilanz vor. Tiefrot und milliardenschwer fiel das Geschäftsergebnis 2016 von E.ON aus. Einen Rekordverlust von rund 16 Milliarden Euro fuhr der Essener Energiekonzern im letzten Jahr ein. „Die Bilanz des Übergangsjahres 2016 ist eine Zäsur, die den Weg von E.ON in die neue Energiewelt frei macht. Damit können wir uns nun voll und ganz auf unsere Kunden in den drei Kerngeschäften Energienetze, Kundenlösungen und Erneuerbare Energien konzentrieren“, brachte Johannes Teyssen, Vorstandsvorsitzender der E.ON, die Misere mit Ausblick auf den Neubeginn auf einen Nenner.

Lasten der Vergangenheit abgeschrieben

Zum gigantischen Rekordverlust hatten laut E.ON eine Reihe von Lasten der Vergangenheit beigetragen, die über das Jahr 2016 abgeschrieben wurden. So liefen etwa auf den Kraftwerkspark der abgespalteten Energiegesellschaft Uniper Abschreibungen von insgesamt etwa elf Milliarden Euro auf. Dazu schlugen die mit der Entkonsolidierung von Uniper verbundenen Effekte mit 3,7 Mrd. Euro zu Buche. Des Weiteren zahlte E.ON rund 2 Milliarden Euro für die Verständigung mit dem Bund zur Finanzierung des Kernenergie-ausstiegs in Deutschland. Für den Loskauf aus der Verantwortung und von den ewigen Risiken für die Zwischen- und Endlagerung der Abfälle will E.ON bis Mitte diesen Jahres 10 Milliarden Euro an den staatlichen Kernenergie-Fonds zahlen. Liquide Mittel seien dafür vorhanden und durch Wertpapiere gedeckt. „Die Lösung durch Gesetz und Vertrag ist teuer und schmerzhaft, aber sie schafft Klarheit für die Zukunft und entlastet uns von ewigen Risiken. Sie ist daher auch aus unserer Sicht vertretbar. Letztendlich kommt es dem Unternehmen und unseren Aktionären zugute, dass die Verantwortung für die Zwischen- und Endlagerung nun endlich klar geregelt ist und künftig nicht mehr bei den Kernenergie betreibenden Unternehmen liegt,“ konstatiert Teyssen zu dieser Lastenbefreiung.

Erste Jahresergebnisse nach der Trennung

Nahm bei E.ON im letzten Jahr bei wachsenden Schulden um 23 Prozent auf 26,3 Milliarden Euro das bereinigte operative Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) mit 4,939 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr rund 1 Milliarde ab, verzeichnete Uniper an dieser Stelle ein Plus. Das bereinigte EBITDA stieg dort 2016 um 23,6 Prozent auf 2,122 Milliarden Euro gegenüber 2015. Konzernüberschuss und bereinigtes EBIT waren im letzten Jahr nach Unternehmensangaben im Gegensatz zu E.ON ebenso positiv. Vor allem ein starkes Gasgeschäft inklusive hoher Einmaleffekte aus der Neuverhandlung der Gaslieferverträge hätten zu diesem positiven Ergebnis beigetragen. Beim Umsatz ließen beide Unternehmen Federn. E.ON nahm mit 38,3 Milliarden Euro 11 Prozent weniger ein als im Jahr 2015. Uniper erzielte lediglich 67,285 Milliarden Euro und somit 27 Prozent weniger als im Vorjahr. Im Vergleich zum Jahr 2009, als die Essener Konzerntochter E.ON Ruhrgas in die Gasförderung in Russland einstieg und knapp 25 Prozent am sibirischen Gasfeld Juschno Russkoje von Gazprom übernahm, lag das bereinigte EBITDA von E.ON bei 13,5 Milliarden Euro.

Endgültige Trennung des Energiegiganten ab 2018

Konsolidierung und Schuldenabbau stehen nun ganz oben auf der Liste. Uniper legte mit dem Ausstieg aus der russischen Gasförderung schon einmal vor und verkaufte seine Anteile am westsibirischen Gasfeld Juschno Ruskoje zu einem Betrag von 1.749 Millionen Euro an den österreichischen Mineralölkonzern OMV. Immerhin plant Uniper nach jüngsten Aussagen im März 2017, sich wie OMV, der britisch-hollänisdche Gasmulti Shell, die deutsche Wintershall-Holding und Frankreichs Engie am russischen 9,9 Milliarden Euro teuren Ausbauprojekt der Gasleitung Nord Stream in der Ostsee zu beteiligen und ist Betreiber einer großen Kraftwerksgesellschaft in Sibirien E.ON verabschiedete ein Maßnahmenpaket, um die Verschuldung mittelfristig um rund sieben Milliarden Euro auf rund 20 Milliarden Euro zu reduzieren und das Eigenkapital zu stärken. Darunter fällt E.ON zufolge ab 2018 die Veräußerung des Uniper-Anteils und die Übertragung des Anteils an der Nord-Stream 1-Pipeline in den Pensionsfonds. Dann ist nach der geschäftlichen Aufspaltung des Energiegiganten auch der Besitzstand der zwei Unternehmen endgültig getrennt.

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