Start China Drei Pipelineprojekte mit Stichtag 2019

Drei Pipelineprojekte mit Stichtag 2019

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Bildquelle: Gazprom

Bis Ende Dezember 2019 will Gazprom drei große Pipelineprojekte zum Gasexport zum Abschluss bringen. Darüber berichtet Unternehmenschef Alexej Miller in einem Arbeitstreffen mit dem Präsidenten Wladimir Putin Ende November 2017. Zwei Jahre Zeit sind jetzt, um die Exportgasleitung Kraft Sibiriens vom sibirischen Gasfeld Chayandinskoye an die ostchinesische Grenze fertigzustellen. Ein gutes Drittel, sprich über 1000 Kilometer, ist von der Leitungstrasse gebaut. Damit erfüllt sich die jahrelange Ankündigung des russischen Gasmarktführers, China ans Exportnetz anzuschließen. 38 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr sind laut Vertrag aus dem 2014 hier als Exportvolumen im Jahr avisiert. Ende Dezember 2019 läuft zugleich der Transitvertrag mit der Ukraine aus. Stehen Turkish Stream und Nord Stream 2 dann bereit, kann Gazprom seine Exporte auch ohne seinen einstigen Haupttransitpartner abwickeln.

Pipelineprojekte in Europa

Auch die Pläne in Europa verfolgt Gazprom, ohne sich augenscheinlich vom europäischem Tauziehen und den USA-Sanktionen wegen der Ukrainekrise beeindrucken zu lassen. Im November 2017 sind rund 500 Kilometer im Schwarzen Meer von den zwei Strängen der Gasleitung Turkish Stream verlegt. Verlegearbeiten laufen bereits in türkischen Hoheitsgewässern. Die rund 900 Kilometer lange Trasse verläuft von Anapa an der russischen Schwarzmeerküste bis an den westtürkischen Bosporus. Die Transportkapazität der Stränge ist auf je 15,75 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr veranschlagt. Ein Strang ist für den türkischen Markt und einer für den Weitertransport ab griechischer Grenze nach Süd- und Südosteuropa vorgesehen. Die Genehmigungen und Umweltgutachten für die Ostseegasleitung Nord Stream 2 stehen indessen noch aus. Geplanter Baustart ist das kommende Jahr.

Kürzer und sparsamer

Durch Nord Stream 2 verdoppelt sich die Transportleistung an die deutsche Ostseeküste auf 110 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. Um dieses Volumen bereit stellen zu können, baut Gazprom sein Gasförderzentrum Bowanenkowo im hohen Norden auf der Jamalhalbinsel und den Transportkorridor auf dem russischen Festland weiter aus. 4300 Kilometer liegen zwischen Bowanenkowo und Lubmin bei Greifswald. 4500 Kilometer sind es im Vergleich dazu vom traditionellen Fördegebiet Nordwestsibirien bis an die ukrainische Westgrenze. Weniger Transportkosten und -energie zur Durchleitung, da Transitkosten entfallen und die Strecke kürzer ist, sind für Gazprom attraktiv. Unsicher bleibt jedoch, wie sich die europäischen Bestrebungen, das europäische Energiepaket 3 auf Nord Stream 2 anzuwenden, auswirken. Ein Gutteil der Rohre ist produziert und in Lager zur Betonummantelung transportiert.

Alternative für Italien

Miller erwartet in diesem Jahr einen Exportrekord von über 190 Milliarden Kubikmeter Gas. 2016 exportierte sein Unternehmen nach Europa und in die Türkei 179,3 Milliarden Kubikmeter Gas und seit Januar bis Mitte Dezember dieses Jahres bereits 184,2 Milliarden Kubikmeter Gas. Die positive Exportentwicklung scheint für ihn der Fahrschein zu sein, die Pipelineprojekte im Norden und Süden Europas unbeirrt weiterzuverfolgen. Auch Putin bestärkt ihn darin und quittiert das historische Finanzvolumen von 39 Milliarden Euro im Investitionsprogramm für 2018 und 2019 mit Wohlwollen. Dass Transportalternativen sinnvoll sein können, zeigte jüngst in diesem Dezember der Unfall an der Gasverteilstation Baumgarten an der österreichisch-slowakischen Grenze. Dadurch war Italien von den russischen Gasimporten abgeschnitten und musste auf Lagerbestände zurück greifen. Eine Importroute über Turkish Stream könnte in so einem Fall Abhilfe schaffen. Außerdem gehört Italien neben Deutschland und der Türkei zu den größten Kunden von Gazprom.

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