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Gasgoldgrube Bosporus

Die Türkei rüstet sich als Gastransitmacht

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Grafikquelle: Gazprom

Die Türkei will den stark wachsenden Gasbedarf im Land mit russischem, aserbaidschanischem und iranischem Gas decken und Europas führender Gas-Hub werden. Im Mai gaben der türkische Energieminister Taner Yildiz und der Chef des russischen Gaslieferanten Gazprom Alexej Miller für den Bau der Gasleitung Turkish Stream grünes Licht. Die Pipeline-Verlegeschiffe des italienischen Unternehmens Saipem bekamen hierauf Order zum Einsatz. Bis Ende 2016 sollen sie den ersten Leitungsstrang auf einer Strecke von rund 900 Kilometer von der russischen an die türkische Schwarzmeerküste verlegen. Vom Bosporus auf europäischer Seite sind es bis zur Grenze zu Griechenland weitere 200 Kilometer. Knapp 16 Milliarden Kubikmeter kann die Türkei dann statt über die Ukraine und Bulgarien direkt aus Russland erhalten. Im Endausbau ist für Turkish Stream wie seinerzeit für das eingestellte Gasleitungsgprojekt South Stream eine jährliche Tramsportleistung von 63 Milliarden Kubikmeter veranschlagt. 47 Milliarden Kubikmeter davon hat Miller dem Nachbarn Griechenland als Transitmenge für Europa angeboten, was sich für die Türkei ebenfalls auszahlt.

Gasimporte und Preise

Aus Aserbaidschan hat das Land am Bosporus 6 Milliarden Kubikmeter Gas und langfristig mehr als die dreifache Menge in Aussicht. Mitte März legten die Präsidenten der Türkei, Aserbaidschans und Georgiens den Grundstein für die Transanatolische Pipeline Tanap. Die Tanap soll Gas aus Feldern im Kaspischen Meer transportieren. Sie schließt an der nordosttürkischen Grenze zu Georgien an die bestehende Südkaukasus-Gasleitung aus Aserbaidschan an und führt quer durch die Türkei bis zur türkisch-griechischen Grenze im Westen. Im Jahr 2018 soll erstes Gas durch die Tanap strömen. Aktuell liegen die Gasimporte aus Aserbaidschan bei 3,3 Millairden Kubikmeter im Jahr. Das Gros, 27,3 Milliarden Kubikmeter Gas, kamen im letzten Jahr aus Russland über die Schwarzmeergasleitung Blue Stream und die Ukraine und Bulgarien. 6,1 Mrd. m3 importierte die Türkei 2013 in verflüssigter Form vornehmlich aus Algerien an ihren beiden LNG-Terminals.

9 Milliarden Kubikmeter waren es aus dem Iran. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan sprach sich im April laut Medienberichten dafür aus, aus dem Iran mehr Gas zu importieren. Doch das iranische Gas sei gegenüber allen anderen Gasbezügen am teuersten. Für russisches Gas mussten Importeure in der Türkei zuletzt 100 Euro mehr als auf dem europäischen Markt aufbringen. Anfang Mai erhielten private Importeure wie Shell, Bosphorus Gaz oder Unternehmen der Handelsholding Akfel von Gazprom einen Preisnachlass, so dass sie jetzt im zweiten Quartal 260 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas wie in Europa zahlen. Auch für den staatlichen Importeur Botas hat Gazprom-Chef Miller demnächst einen Preisnachlass angekündigt. Seit Monaten schon ringen beide Unternehmen um ein akzeptables Ergebnis.

Wachsender Bedarf und lukrativer Gastransit

Für den wachsenden Gasbedarf muss der Preis stimmen, damit die boomende Wirtschaft am Bosporus nicht ins Stocken gerät. Der Gasverbrauch ist von 2010 bis 2013 nach Angaben der Energy Information Agency EIA in der Türkei um über 20 Prozent auf rund 46 Mrd. m3 Gas gestiegen. Etwa die Hälfte des Erdgases wird im Strom- und Wärmesektor eingesetzt. Zugleich verbrauchen Industrie und private Haushalte je ein Fünftel. Auch für die Zukunft erwartet die EIA, dass der türkische Gasbedarf merklich wächst, weil Stromverbrauch und Kraftwerke infolge anhaltend starker Nachfrage sich erhöhen. Kleine Ergasmengen fördert die Türkei selbst. Dagegen nahmen die Einfuhren aus Russland sukzessive zu, so dass die Türkei nach Deutschland inzwischen Gazproms zweitgrößter Abnehmer ist und so die Hälfte der Gasimporte deckt.

Über Turkish Stream und Tanap sollen größere Import- und Transitmengen zum Bosporus strömen. Klarheit herrscht dabei über die Trans Adriatic Pipeline (TAP), die ab 2020 an der türkischen Westgrenze 10 Milliarden Kubikmeter aserbaidschanischen Gas aufnehmen und über Griechenland, Albanien durch die Adria nach Italien weiterleiten soll. Über Anschlussleitungen von Turkish Stream nach Europa wird indessen noch diskutiert. Zusätzliche Lieferoptionen für die Türkei und Europa könnten sich im Iran ergeben, wenn die Wirtschaftssanktionen gegen das Land nach den erfolgversprechenden Atomverhandlungen zwischen Iran und den Europäern in den letzten Monaten tatsächlich fallen. Gerüchte über einen möglichen Einstieg der Iraner bei Tanap und TAP machen bereits die Runde. Das Gastransitgeschäft könnte so für die Türkei tatsächlich zur Goldgrube werden.

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