Start China Hop oder Top in der Gasnachfrage

Hop oder Top in der Gasnachfrage

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Bildquelle: Gazprom

Auf der russischen Pazifikinsel Sakhalin zeigte sich Gazprom-Vorstand Alexander Medwedew auf einer Öl- und Gaskonferenz Ende September 2015 überzeugt, dass sein Konzern seine Position im asiatisch-pazifischen Raum stärken wird, weil Experten dort bis 2025 einen Anstieg des Importbedarfs von 280 auf über 400 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr erwarten. Weniger optimistisch über die weltweite Nachfrageentwicklung äußerten sich kürzlich Ökonomen des Energieforschungsinstituts der Russischen Akademie der Wissenschaften und des Energieinstituts der Nationalen Forschungsuniversität in einer Gemeinschaftsstudie zum europäischen Gasmarkt. Sie sehen sogar die Gefahr von Preiskämpfen, wenn die Gasnachfrage in Europa und auch in der Pazifikregion auf lange Sicht niedrig bleibt.

Mehr Gasnachfrage

In Europa sei der Gasverbrauch in den letzten zehn Jahren bis 2010 außer im Krisenjahr 2009 stabil gestiegen, stellen die Wissenschaftler fest. Danach sei er wieder um 23 Prozent gesunken. Vor allem der rückläufige Gaseinsatz in der Stromerzeugung habe sich hier bemerkbar gemacht. Im Basisszenario der Studie ist die Rede davon, dass der Gasverbrauch in Europa ab 2015 wieder anzieht und bis 2035 um 14 Prozent ansteigt. In diesem Fall müsse Europa auch wegen der rückläufigen eigenen Gasförderung mehr Gas importieren. Doch einen starken Anstieg russischer Gasimporte ziehe dies nicht nach sich, erläutern die Energieforscher. In der Hauptsache würde Europa den erhöhten Bedarf  durch Flüssigerdgas LNG und Gas aus Aserbaidschan decken. Russische Lieferungen würden sich schrittweise wieder auf das Niveau von 2013 einstellen. Jeder Lieferant könne seine Nische finden, und russisches Erdgas seinen 30-Prozentanteil auf dem europäischen Markt behaupten.

Weniger Gasnachfrage

Bei einer weltweit niedrigen Gasnachfrage dagegen könnten vermehrt LNG-Lieferungen aus dem Nahen Osten, Afrika und Nordamerika nach Europa kommen und die Nachfrage nach russischem Gas dämpfen. Außerdem bestehe in Europa durch die Schlüsselrolle der Energieeffizienz und den fortschreitenden Ausbau der erneuerbaren Energien die Tendenz, dass weniger Gas insbesondere in der Industrieproduktion nötig sei. Ob sich in der pazifischen Region nahezu eine Verdopplung des Importbedarfs einstellt, wie es Medwedew sieht, hängt auch davon ab, wie sich die wirtschaftliche Konjunktur in den betreffenden Ländern entwickelt. Lahmt diese etwa in China, fällt der Importbedarf des Roten Drachen weitaus bescheidner aus als es der russische Nachbar sich bei seinen drei avisierten Liefervarianten ausrechnet. Gazprom scheint das mit einzukalkulieren, indem die Verlegung der Gasleitung Kraft Sibiriens in Ostsibirien im gemächlichen Tempo verläuft, wenn zum Jahresende keine dreistellige Kilometerzahl erreicht werden soll, und der Start von Gaslieferungen nach Ostchina spätestens ins Jahr 2021 verlegt wurde. Kraft Sibiriens 2 und Transporte von Off-Shore-Vorkommen vor Sakhalin stehen Medwedew zufolge weiter auf der Tagesordnung.

Europa für Gazprom im Fokus

Zugleich hat Gazprom sich Europa wieder mehr zugewandt und dementsprechend das Aktientauschgeschäft mit der deutschen Energieholdung und BASF-Tochter Wintershall Anfang Oktober 2015 zum Abschluss gebracht.

Bildquelle: Wingas
Bildquelle: Wingas

Hat Wintershall dadurch seinen Anteil an westsibirischen Gasfeldern ausgebaut, konnte Gazprom mittels Komplettübernahme der Erdgashandelsgesellschaften Wingas, Wintershall Erdgashandelshaus Berlin (WIEH) und Wintershall Erdgashandelshaus Zug (WIEE) mitsamt Speichergesellschaft astora, die die deutschen Erdgasspeicher Rehden und Jemgum betreibt und am Erdgasspeicher Haidach in Österreich beteiligt ist, seine Vertriebsposition in Europa stärken.

Auch das Projekt zur Verdopplung der Ostseegasleitung weist gegenüber Kraft Sibiriens eine große Dynamik auf. Geschäftsführer der verantwortlichen Projektgesellschaft New European Pipeline AG mit Sitz in Zug in der Schweiz ist Matthias Warnig. Er ist gleichzeitig Geschäftsführer des Nord-Stream-Konsortiums, das die bestehende Ostseegasleitung mit einer jährlichen Transportleistung von 55 Milliarden Kubikmeter Gas betreibt. Ob mehr oder weniger Gasnachfrage, geben die russischen Exportpreise für Europäer im jetzigen Winterhalbjahr 2015-2016 weiter nach und liegen nach Aussage von Medwedew im Schnitt bei 195,9 Euro je 1000 Kubikmeter Gas (rund 220 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas). Der Durchschnittspreis für das laufende Jahr soll schätzungsweise 237 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas betragen. Im letzten Jahr waren es noch 351 US-Dollar je 1000 Kubikmeter Gas.

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