Start Europa Ostring kann Europa verbinden

Ostring kann Europa verbinden

111
0
Der Südliche Gaskorridor ist für den Ostring eine Anschlussoption
Grafikquelle: TAP-Konsortium

In der lettischen Hauptstadt Riga unterzeichneten die Außenminister von der Slowakei, Bulgarien, Ungarn und Rumänien eine gemeinsame Erklärung zur Verbindung ihrer  Pipeline-Systeme, teilte das slowakische Außenministerium am 21. Mai mit. In der Erklärung geht es um den Bau einer Verbindungsgasleitung, die von der Slowakei über Ungarn entweder nach Rumänien oder weiter nach Bulgarien verläuft. Der so genannte Ostring soll nach Angaben des slowakischen Netzbetreibers Eustream je nach Verlauf eine Länge von 832 oder 1015 Kilometer aufweisen und zunächst 20 Milliarden Kubikmeter Gas und im Endausbau die doppelte Gasmenge im Jahr in beide Richtungen transportieren können. Für die Inbetriebnahme ist das Jahr 2018 im Gespräch. Mit der Erklärung in Riga bekräftigten die beteiligten Länder, sich gemeinsam um neue Gasquellen und Transportrouten zu kümmern, hieß es bei Eustream am 22. Mai. Den schnellsten und günstigsten Weg, dies zu erreichen, sieht der Transportnetzbetreiber im Ostring-Projekt. „Wir schlagen eine Lösung vor, die es ermöglicht, in relativ kurzer Zeit den westliche Gasmärkte (Hubs) mit Süd-Osteuropa und neuen Gasquellen zu verbinden“, betonte Mirek Topolanek, Topmanager bei Eustream für Internationale Entwicklung. Balkanländer erhielten alternative Gaslieferungen, während Zentral- und Westeuropa Zugang zu Gasquellen in der kaspischen Region oder im Schwarzen Meer und Mittelmeer oder zum potentiellen Gashub Türkei bekämen.

TAP hat Baugenehmigung bekommen

Fast zeitgleich haben die Projektbetreiber der Transadriatischen Gasleitung TAP von der italienischen Regierung  eine Einzelgenehmigung erhalten, dass sie mit dem Bau ihrer Gasleitung von der türkischen Westgrenze über Griechenland, Albanien durch die Adria nach Italien im Mai 2016 beginnen können. Die TAP gehört zum 3500 Kilometer langen Südlichen Gaskorridor, auf dem 10 Mrd. m3 Gas im Jahr ab 2020 aus dem Kaspischen Meer in Aserbaidschan über Geoorgien, die Türkei nach Italien transportiert werden sollen. Ihm gibt die Europäische Union gegenüber dem Schwarzmeerprojekt Turkish Stream des russischen Gaskonzerns Gazprom den Vorrang. Signale einer nahen Einigung über eine griechische Anschlussleitung für Turkish Stream brachte Griechenlands Energieminister Panagiotis Lafazanis indes in Athen zum Ausdruck. Die Gespräche mit der russischen Seite  seien fortgeschritten und befänden sich vorm Abschluss, zitierte die russische Nachrichtenagentur Ria Nowosti am 22. Mai den Energieminister. Zugleich unterstützt er wie die komplette griechische Regierung die TAP. Außerdem laufen mit dem Nachbarn Bulgarien Gespräche, einen Interkonnector über eine Länge von 182 Kilometer zu installieren. Ein finales Investitionsabkommen hierzu sei für Juni geplant, zitierten bulgarische Medien Bulgariens Energieministerin Temenuzhka Petkova am 26. Mai. Als Baubeginn nannte die Ministerin den März 2016. Geht die Verbindungsgasleitung planmäßig 2018 in Betrieb, ist Bulgarien bereit, aserbaidschanisches Gas sowohl über Griechenland als auch direkt über die Türkei zu importieren.

Eustream forciert Ostring

Für den Ostring eröffnen sich mit der kommenden griechisch-bulgarischen Pipelineverbindung ebenfalls neue Perspektiven. Das dürfte Netzbetreiber Eustream entgegen kommen, der sich besonders für den Ostring stark macht. Denn wenn mit dem Auslaufen des russisch-ukrainischen Transitvertrages 2019 wirklich kein russisches Gas mehr aus der Ukraine in der Slowakei mehr ankommt, stehen die Transitleitungen leer und folglich bleibt die Kasse leer. Dem will Eustream mittels Ostring offenbar Abhilfe schaffen und sich als eine Art zentraleuropäischer Gasbahnhof etablieren, dessen Züge in alle Richtungen fahren. Dann können russische, kaspische und womöglich iranische Gasmengen aus südöstlicher Richtung in die Slowakei fließen und mit dem dortigen leistungsfähigen Transportsystem nach Norden, Osten und Westen Europas durchgeleitet werden. Die Slowakei bleibt in der Mitte Europas weiter ein Dreh- und Angelpunkt für Gastransporte und braucht deswegen Verluste wie die Ukraine im Transitgeschäft nicht zu fürchten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here