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Russische Schwarzmeergasleitung folgt South-Stream

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Bildquelle: Turkstream Media

Die russische Schwarzmeergasleitung soll weitestgehend der damals geplanten Pipeline-Route von South Stream folgen, die ab Bulgarien über Serbien und Ungarn an die österreichisch-slowakische Grenze verläuft. Dafür spreche, dass sich der russische Gaskonzern Gazprom bereits an dem Verfahren zur Buchung neuer Pipeline-Kapazitäten in diesen Ländern beteilige, berichtete die russische Wirtschaftszeitung Kommersant am 22. November 2018. Drei Tage zuvor feierten der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan in Istanbul den Abschluss der Verlegung der zwei Turkish-Stream-Leitungsstränge von Anapa an der russischen Schwarzmeerküste nach Kiyikoy am westtürkischen Bosporus. Bis zum Leitungsknotenpunkt Lüleburgaz auf dem türkischen Festland sind es rund 80 Kilometer. Hier treffen Turkish Stream und die Trans-Balkan-Gasleitung, über die die Türkei aktuell noch russisches Gas über die Ukraine und Bulgarien importiert, zusammen.

Transit über die Ukraine nicht mehr nötig

Geht Turkish Stream, wie geplant, Ende 2019 in Betrieb, ist die Trans-Balkan-Gasleitung für Transporte in umgekehrter Richtung frei. Bulgarien sorgte für die Aufnahme der kompletten Menge des zweiten Leitungsstranges von Turkish Stream schon einmal vor und erhöhte die jährliche Durchleitungskapazität an der türkischen Grenze von 14 auf 15,8 Milliarden Kubikmeter Gas. Der erste Strang soll indes den türkischen Markt versorgen. Er verfügt wie der zweite Strang über eine Transportkapazität von 15,75 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr. 2020 will Gazprom laut Kommersant die Gaslieferungen nach Bulgarien, Griechenland und Serbien und 2021 nach Ungarn aufnehmen. Der Anschluss an die Gasstation Baumgarten in Österreich an der slowakischen Grenze beantwortet dazu die Frage, wie Italien ohne künftige ukrainische Transitlieferungen Gas aus Russland beziehen kann.

Russische Schwarzmeergasleitung für den Süden

Zugleich interessiert sich Griechenland für Gasimporte über Turkish Stream. Am 7. Dezember 2018 will Premier Alexis Tsipras Medien zufolge dies in Moskau zur Sprache bringen. Bis nach Ipsala an der türkisch-griechischen Grenze sind es von Kiyikoy rund 180 Kilometer. In der Nähe befindet sich Kipoi, wo die Gasübergabestation für die Transanatolische Gasleitung Tanap eingerichtet wird, um dort ab 2020 Gas aus Aserbaidschan in die Transadria-Gasleitung TAP einzuspeisen, um es über Griechenland, Albanien durch die Adria nach Italien weiter zu transportieren. Auch die Pläne zu South Stream sahen seinerzeit einen Abzweig nach Griechenland und Italien vor. Wie die Gaslieferungen hier genau ablaufen sollen, ist noch nicht klar. Für das Verlegen der zwei 930 Kilometer langen Stränge von Turkish Stream benötigte die Pioneering Spirit jeweils ein gutes halbes Jahr. Das weltgrößte Pipeline-Verlegeschiff der Schweizer Allseas-Gruppe kam im Schnitt auf fünf Kilometer Rohrlänge am Tag und passierte inzwischen den türkischen Bosporus. Neuer Einsatzort ist die Ostsee, um die zwei Stränge der Gasleitung Nord Stream 2 zusammen mit zwei anderen Schiffen von Allseas zu verlegen.

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