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Turkmenistan baut an der Seidenstraße aus

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Quelle: www.chathamhouse.org/sites/files/chathamhouse/publications/research/2016-03-08-turkmenistan-bohr.pdf

Turkmenistan plant, an der Seidenstraße umfangreiche Gasmengen sowohl nach Osten als auch nach Westen zu exportieren und will bis 2030 dementsprechend 230 Milliarden Kubikmeter Gas fördern, wovon 180 Milliarden Kubikmeter für den Export vorgesehen sind. Die nachgewiesen Reserven belaufen sich nach Zahlen im BP Statistical Review of World Energy 2015 auf 17500 Milliarden Kubikmeter Gas. Im Dezember 2015 ging die 773 Kilometer lange Ost-West-Gasleitung in Betrieb, die die beiden großen Gasfelder Galkynysch und Dowletabat in der südöstlichen Provinz Mary mit Belek am Kaspischen Meer verbindet. Die Ressourcen beim Gasfeld Galkynysh lägen nach letzten Schätzungen bei 27400 Milliarden Kubikmeter Gas, hieß es im Januar 2016 beim Nachrichtenportal Nebit-Gaz des turkmenischen Öl- und Gasministeriums. Gebaut haben die Pipeline mit einer jährlichen Transportkapazität von 30 Milliarden Kubikmeter Gas die Staatskonzerne Turkmengaz und Turkmennebitgazgurlushik. Im März 2016 meldete Nebit-Gaz, dass die Zentralprovinz Ahal erstes Gas über die neue Ost-West-Gasleitung erhalten habe. Die Gasleitung sei wichtiger Bestandteil eines modernen Gastransportnetzes, um den wachsenden Bedarf im Land und die Nachfrage auf internationalen Energiemärkten zu befriedigen.

An der Seidenstraße bis nach Indien

Der Staatskonzern Turkmennebitgazgurlushik ist zudem für den Bau des turkmenischen Abschnittes der Gasleitung Turkmenistan-Afghanistan-Pakistan-Indien, kurz TAPI, zuständig. Wie Nebit-Gaz im März 2016 mitteilte, verschweißte der beauftragte Generalunternehmer Marynebitgazgurlushik trust mehr als 6132 Laufmeter Pipelinerohre und transportierte sie an die vorgesehene Trasse. Sie ist 214 Kilometer lang und reicht vom Gasfeld Galkynysch bis an die afghanische Grenze. Danach soll die TAPI nach Angaben des turkmenischen Energieministeriums 774 Kilometer über Afghanistan und 826 Kilometer Pakistan bis nach Fazilka an die indische Grenze führen. Die Transportkapazität ist auf 33 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr veranschlagt und die Inbetriebnahme für Dezember 2019 vorgesehen. Der offizielle Baustart war Mitte Dezember letzten Jahres. Am Projektkonsortium TAPI ist Turkmengaz Medienberichten zufolge zu 85 Prozent beteiligt. Je 5 Prozent halten die afghanische Gasgesellschaft Afghan Gas Enterprise, Pakistans Inter State Gas Systems ISGS und Indiens Gasgesellschaft GAIL. Als Betriebsführer im Konsortium ist Turkmengaz für die Koordinierung des Baus, der Finanzierung und Inbetriebnahme der TAPI verantwortlich.

China größter Gasimporteur an der Seidenstraße

Die einstige Sowjetrepublik Turkmenistan war der größte Lieferant für den russischen Gaskonzern Gazprom, der das turkmenische Gas weiter nach Europa exportierte oder im Inland absetzte. Doch hat Gazprom Anfang diesen Jahres seinen Gaseinkauf in Turkmenistan ausgesetzt, weil die Preisvorstellungen auseinander gehen. Im Jahr 2014 exportierte Turkmenistan laut BP Review insgesamt 42,5 Milliarden Kubikmeter Gas. Davon gingen 9 Milliarden Kubikmeter nach Russland und 0,5 Milliarden Kubikmeter an nördlichen Nachbarn Kasachstan. Der Iran bezog 6,5 Milliarden Kubikmeter Gas. Den größten Teil erhielt jedoch China mit 25,5 Milliarden Kubikmeter über die Zentralasien-China-Pipeline. Die 1830 Kilometer lange Gasleitung verläuft von Turkmenistan über Usbekistan und Kasachstan nach Horgos an die chinesische Grenze. Sie verfügt über drei Leitungsstränge, die zusammen 55 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr transportieren können. Gespeist wird sie mit Gas vom Gasfeld Galkynysh und Gasvorkommen, die Chinas Nationale Ölgesellschaft CNPC in Turkmenistan fördert. Darüber hinaus exportieren Usbekistan und Kasachstan über diese Pipeline Gas nach China.

Große Exportpläne für Asien und Europa

Ein vierter Leitungsstrang von Turkmenistan über Tajikistan und Kirgistan ist in Planung, so dass sich die Transportleistung der Zentralasien-China-Pipeline nach Angaben von CNPC in Summe auf 85 Milliarden Kubikmeter Gas im Jahr erhöht. Auch Gasexporte nach Europa hat Turkmenistan auf der Agenda. Hier ist die Transkaspische Gasleitung als Verlängerung des Südlichen Gaskorridors im Gespräch. Sie soll im Kaspischen Meer etwa 300 Kilometer von der turkmenischen Küste an die Küste Aserbaidschans gelegt werden und zählt zu den sogenannten Projekten allgemeinen Interesses PCI der Europäischen Kommission. Auf dem südlichen Gaskorridor sollen zunächst 6 Milliarden Kubik Gas in die Türkei ab 2018 und 10 Milliarden Kubikmeter Gas aus Aserbaidschan bis nach Italien ab 2020 transportiert werden. Dabei ist fraglich, wie viel turkmenisches Gas der Südliche Gaskorridor bei einer möglichen Transportkapazität von 31 Milliarden Kubikmeter Gas im Endausbau wirklich aufnehmen kann. Schließlich hat sich auch der Iran als künftiger Lieferant von eigenem und turkmenischem Gas angeboten. Außerdem hängt vieles davon ab, wie sich die Anrainerstaaten, darunter Russland und der Iran, über die Begrenzung der Hoheitsgewässer im Kaspischen Meer einigen oder gegen die geplante Pipeline-Verbindung Umweltvorbehalte vorbringen.

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