Start Erneuerbare Energien Endlich die Blaupause zur Energiewende

Endlich die Blaupause zur Energiewende

Sigmar Gabriel kündigt Erdverkabelung für Gleichstromtrassen an.
Bildquelle: BDEW

“Heute Nacht haben wir letzte Konflikte allerdings relativ große zur Energiewende entschieden”, sagte der deutsche Bundeswirtschaftsminister und Vizekanzler Sigmar Gabriel in Berlin am 2. Juli zum vorausgehenden Energiegipfel der Regierungsspitzen. Aus der Vision für das Große seien jetzt Lösungen für das Ganze geschaffen. “Uns ist parteiübergreifend, wie ich finde, ein historischer Pakt für neuen Wohlstand gelungen”, würdigte Gabriel. Nun könnten endlich die losen Fäden der Energiewende zusammen gebracht werden. Das neue gemeinsame Papier bezeichnet er als die von vielen langersehnte “Blaupause für die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie in einer modernen Industriegesellschaft”, die die Herausforderungen von Industrie 4.0 annehme Um nationale Klimaziele zu erfüllen, sollen seinen Worten nach Braunkohlekraftwerke in eine Kapazitätsreserve überführt und anschließend schrittweise still gelegt werden. Kraft-Wärme-Kopplung KWK werde auf die Ziele der Energiewende ausgerichtet, indem der Ersatz von Kohle durch Gas-KWK gefördert werde und eine Perspektive für einen moderaten Ausbau erhalte, erklärte Minister Gabriel und stellte in Aussicht: “Dafür stocken wir die KWK-Förderung von heute 0,5 Mrd. Euro auf 1,5 Mrd. Euro auf. Das hilft den Stadtwerken und dem Klimaschutz.”

Stromnetze und Strommarkt auf Wendespur

Auch die monatelangen Verhandlungen mit Bayern zum Netzausbau hätten sich gelohnt. Denn “von nun an bekommen bei neuen Gleichstromtrassen Erdkabel den Vorrang vor Freileitungen.” Die Mehrkosten rechtfertigten dies, da die Maßnahme zu mehr Akzeptanz und zu einem schnelleren Ausbau führten, ist an dieser Stelle im Papier nachzulesen. Die Region um Grafenrheinfeld soll deutlich entlastet werden, weil zwei geplante Wechselstromleitungen wegfielen und statt dessen auf bestehenden Trassen geführt werden könnten, erläuterte Gabriel. Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer zeigte sich im deutschen Fernsehen erleichtert, dass keine “Monstertrassen” mehr zur Debatte ständen. Besonders mit neuen Strommarkt-Design 2.0 kann Gabriels Auffassung ein neues Kapitel in der deutschen Wirtschaftsgeschichte geschrieben werden. Es sorge dafür, Innovation und Wettbewerb zu sichern. Stromversorger bekämen für ihre Investitionsentscheidungen verlässliche Grundlagen. Garantierte freie Preise und die Verankerung im europäischen Binnenmarkt hebt Energiewende-Steuermann Gabriel als wichtige Bausteine hervor und unterstreicht: “Wir sichern dem Strommarkt die Zukunft mit einer Kapazitätsreserve.” Für ihn ist die deutsche Energiewende nun “endlich real, echt und vor allem unumkehrbar”. Eine Klimaabgabe für Kohlekraftwerke und strittige Stromtrassen sind somit vom Tisch. Wie hoch die Mehrkosten letztlich zu Buche schlagen und wer sie trägt, ist sicher Gegenstand aller folgenden Debatten.