Start Erneuerbare Energien Erwartungs-Tsunami an Klimakonferenz in Glasgow

Erwartungs-Tsunami an Klimakonferenz in Glasgow

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Mit dem CCP kann der Klimawandel eingedämmt werden.
Quelle: Stiftung Forschung für Leben

Wie die Treibhausgasemissionen türmen sich die Erwartungen sintflutartig an die UN-Klimakonferenz in Glasgow auf. Studien, Forderungen, Kritik und Vorschläge überschlagen sich. Jeder, jede möchte auf den Zug aufspringen. Worum geht es? Um Aufmerksamkeit ganz so wie es BayWa r.e. in einer vierjährigen Analyse von Daten sozialer Medien, Nachrichten- und Blogging-Plattformen, einschließlich Twitter, YouTube, Instagram, Reddit, Tumblr und Google feststellte?

„Datensätze zeigen, dass die Online-Erwähnungen mehr als doppelt so hoch sind wie die in Bezug auf COP25“, ist das zentrale Ergebnis dieser Analyse. Dazu verweist das Unternehmen auf eine große Meinungsumfrage zum Klimawandel, die die Vereinten Nationen durchgeführt und Anfang des Jahres veröffentlicht haben. Demnach halten 64 Prozent der Menschen den Klimawandel für einen „globalen Notfall“. Matthias Taft, CEO von BayWa r.e., schließt daraus ein verstärktes Gefühl der Dringlichkeit und ein erhöhtes Klimabewusstsein, was ermutigend, aber auch notwendig sei. „Auch wenn sich einige im Internet mehr zum Klimawandel äußern als andere, ist es schön zu sehen, dass Klimagespräche auf breiter Ebene stattfinden. Entscheidend jedoch ist, dass den Worten Taten folgen, nachdem die Staats- und Regierungschefs Glasgow verlassen haben. Wir müssen dafür sorgen, dass die Regierungen, die Unternehmen und wir als Einzelpersonen unsere Klimazusagen einhalten und die Veränderungen herbeiführen, die die Welt so dringend braucht“, so Taft weiter.

Klimakiller Verkehr

An dieser Stelle setzen Studien mit Vorschlägen an, die sich dem klimaneutralen Weg widmen. Das Bild von rollenden Blechlawinen rückt ins Bewusstsein, wenn unter den umweltschädlichen Subventionen der Verkehr den Spitzenplatz einnimmt, hat er doch in den letzten Jahren nichts zur Reduktion von CO2 beigetragen. Das zu ändern, dürfte eine Herausforderung sein.

Quelle: Umweltbundesamt

Neben dem dringenden Ausbau von Erneuerbaren Energien spielt der Verkehr auch in einer aktuellen Studie zum neuen Klimaziel in Baden-Württemberg eine bedeutende Rolle. Anfang Oktober 2021 hatte die Landesregierung das Klimaschutzgesetz verschärft und darin beschlossen, dass der Südwesten statt 2050 spätestens 2040 klimaneutral sein soll. Hierzu legte die Plattform Erneuerbare Energien Baden-Württemberg (Plattform EE BW) jetzt die neue Studie vor, um zu zeigen, wie das machbar ist.

Die Verfünffachung der installierten Ökostromleistung von heute rund zehn auf mehr als 50 Gigawatt, massive Energieeinsparung und Entrümpelung des Genehmigungs- und Planungsrechts sind für Jörg Dürr-Pucher, Vorsitzender der Plattform EE BW die markanten Wegpunkte zum Ziel.

Quelle Plattform EE BW

„Neben dem Fokus auf Strom und Wärme beinhaltet das Szenario auch Abschätzungen zur Transformation des Verkehrssektors“, heißt es in der Pressemitteilung der Plattform EE BW am 27. Oktober 2021.

Klimafreundlich und effizient

Erneuerbarer Strom, Biokraftstoffe und strombasierte Kraftstoffe wie grüner Wasserstoff und Folgeprodukte gelten als die zentralen künftigen Energieträger. Strombasierte Kraftstoffe sollen 2040 mit 26 Terawattstunden 55 Prozent des Energiebedarfs in der Mobilität decken. Die restlichen 10 Prozent entfallen laut Studie auf biogene Kraftstoffe, deren heutiger absoluter Beitrag von rund vier Terawattstunden gleich bleibt.

Den größten Beitrag soll der Verkehr indes in der Einsparung von Energie leisten. Im Szenario KLIMANEUTRAL 2040 beläuft sich diese den Studienautoren zufolge gegenüber 2020 um 32 Prozent bis 2030 und bis 2040 um rund 45 Prozent. Strukturänderungen wie die Reduktion des motorisierten Individualverkehrs zugunsten Bahn, Öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) und Fahrrad im städtischen Bereich sowie die Verlagerung eines Großteils des Güterverkehrs auf die Schiene sollen das ermöglichen. Das deckt sich mit den Vorschlägen des Umweltbundesamtes zur Reform der Entfernungspauschale mit Härtefallregelung für Fernpendler und massivem Ausbau des ÖPNV im ländlichen Raum.

Großbaustelle Wärmewende

Der Wärmesektor ist die nächste Großbaustelle zur Klimaneutralität. Die Studie der Plattform EE BW setzt im dementsprechenden Szenario eine Verdopplung der erneuerbaren Wärmeerzeugung auf Basis von Biomasse, Solarthermie, mit Hilfe von Wärmepumpen genutzter Umweltwärme und Tiefengeothermie von heute 22 Terawattstunden pro Jahr auf 41 Terawattstunden pro Jahr im Jahr 2040 voraus.

Quelle: Plattform EE BW

Hinzu kommt ein deutlich reduzierter Wärmeverbrauch, unter anderem durch die energetische Sanierung von Gebäuden. Abwärme und grüner Wasserstoff für industrielle Prozesswärme und als Erdgasersatz in Block-Heizkraftwerken könnten ebenfalls zur klimaneutralen Wärmeversorgung in Baden-Württemberg beitragen.

Ausbau, Umstieg und Anstieg

„Die möglichen Ausbaupfade für die erneuerbaren Energien in Baden-Württemberg sind aus Sicht der Erneuerbaren-Branche ambitioniert“, sagt Dürr-Pucher. „Die erneuerbaren Energien können jedoch die für Wirtschaft und Gesellschaft notwendigen Mengen an Strom und Wärme liefern. Bedingung ist jedoch, dass die politischen Rahmenbedingungen für diesen gesamtgesellschaftlichen Kraftakt stimmen.“

Ob der Ausbau von erneuerbaren Energien, Stromnetzen, Gebäudesanierungen und der Umstieg auf umweltfreundliche Mobilitätsoptionen die nötige Fahrt aufnehmen, ist ein großes Fragezeichen vor und vermutlich auch nach der Klimkonfrenz. Der Emissions Gap Report 2021 des UN Umweltprogramms macht unmissverständlich klar, dass die aktuellen Klimaschutzbeiträge der Länder nicht ausreichen, um den globalen Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad gegenüber vorindustriellem Niveau zu begrenzen. Die Umsetzung aktueller Zusagen würde die globale Mitteltemperatur um ca. 2,7 Grad ansteigen lassen.