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Europas Hoffnung in Baku

Die aserbaidschanische Hauptstadt Baku zeigt sich als Austragungsort der diesjährigen Europaspiele in einem modernen Gewand. Tradition und Zukunft verbinden sich im “Land des Feuers” am Kaspischen Meer, in dem reichhaltige Öl- und Gasfelder lagern. Das Shah-Deniz-Feld in der Kaspisee verheißt, auch für Europa eine sprudelnde Gasquelle zu werden. Hier arbeitet das Shah-Deniz-Konsortium daran, dass die Förderung 2019 regulär starten kann. Dann sollen 6 Milliarden Kubikmeter Gas in die Türkei und ein Jahr später 10 Milliarden Kubikmeter über den 3500 Kilometer langen Südlichen Gaskorridor bis nach Italien geliefert werden.

Quelle: BP
Quelle: BP

Am Konsortium sind außer Aserbaidschans Nationaler Ölgesellschaft Socar die britische BP und die türkische TPAO mehrheitlich beteiligt. Diese drei Unternehmen sind eben so  Betreiber der Transanatolischen Pipeline Tanap quer durch die Türkei. Seit Mitte April hat BP am Projektkonsortium 12 Prozent inne. 58 Prozent hält Socar, und der Rest entfällt auf die türkische Botas. Erfolgte in Kars nahe der türkischen Nordostgrenze zu Georgien im März der offizielle Baustart der Tanap, sind die ersten Schweißarbeiten an der 1850 Kilometer langen Trasse für August vorgesehen.

BP ebnet Europa den Weg zur Kaspisee

Darüber hinaus ist BP mit 28,8 Prozent Mehrheitsinhaber des Betreibers der Südkaukasus-Pipline von Aserbaidschan über Georgien in die Türkei. Sie wird im Rahmen des Südlichen Gaskorridors ausgebaut. Auch an der Verlegung der Transadriatischen Gasleitung TAP von der türkischen Westgrenze über Griechenland, Albanien durch die Adria nach Italien beteiligt sich BP. “Die Anbindung des Kaspischen Raumes verspricht Win-Win für alle”, sagte Dr. Leonhard Birnbaum von E.on SE auf dem Jahreskongress des des Deutschen Bundesverbandes für die Energie- und Wasserwirtschaft BDEW in Berlin am 24. Juni, wobei sein Unternehmen im TAP-Konsortium nicht mehr vertreten ist und sich auf sein Nord-Stream-Engagement mit dem russischen Gaskonzern Gazprom konzentriert, sei als Betreiber der bestehenden Ostsee-Pipeline oder Beteiligter an ihrem Ausbau. Dagegen ist BP am kompletten Südlichen Gaskorridor aktiv, um Win-Win für alle zu ermöglichen und das europäische Ziel, dass jedes EU-Mitlied mindestens Gas aus drei verschiedenen Quellen erhalten soll, einzulösen.

Bildquelle: BDEW
Bildquelle: BDEW

In dieser Diversifizierung sieht Maros Sefcovic den Schüssel zu einer sicheren europäischen Energieversorgung. In Schlagdistanz zu Aserbaidschan liege Turkmenistan, erklärte der Vizepräsident und Verantwortliche für die Energieunion bei der Europäischen Kommission in Berlin und nannte Iran und Irak als mögliche Lieferquellen, wozu allerdings ein diplomatischer Durchbruch nötig sei. Neu entdeckte Vorkommen zwischen Zypern und Israel böten weitere Optionen in der Zukunft. Bei all diesen Aussichten sprach sich Sefcovic zugleich für das Erreichen guter Beziehungen mit Russland aus, die mit Norwegen vergleichbar sind und hofft auf erfolgversprechende Ergebnisse bei den anstehenden dreiseitigen Gesprächen Europas mit Russland und der Ukraine über ein neues Winterpaket. Dass die Ukraine offenbar ihre Transitrolle einbüßt, dem hält Birnbaum entgegen: “Die Ukraine muss ihre Rolle in Europa finden auch unabhängig vom Transit von russischem Gas”. Derweil schaut Europa erwartungsvoll auf den Südlichen Gaskorridor nach Baku, dessen Kosten sich nach Sefcovics Worten auf 45 Milliarden US-Dollar belaufen.