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Europas Prioritäten in Südosteuropa

Am 10. Juli beschlossen im kroatischen Dubrovnik Spitzen der Europäischen Kommission und 15 zentralost- und südosteuropäische Staaten eine Absichtserklärung und einen Aktionsplan zum Neu- und Ausbau der Gasinfrastruktur, um einen integrierten Gasmarkt zu schaffen. Im Anhang zum Aktionsplan sind die Projekte mit höchster Priorität aufgelistet. Ganz oben steht die Trans-Adria-Pipeline TAP. Als Anschlussleitung der Transanatolischen Gasleitung Tanap quer durch die Türkei und somit Bestandteil des 3500 Kilometer langen Südlichen Gaskorridors soll sie ab 2020 jährlich 10 Milliarden Kubikmeter Gas aus Aserbaidschan nach Europa transportieren. Geplanter Startpunkt für die TAP ist nahe Kipoi an der griechisch-türkischen Westgrenze. Von dort soll sie 545 Kilometer über griechisches Territorium und 211 Kilometer über albanisches Gebiet bis zur Adria verlaufen. Die Entfernung von der albanischen bis zur italienischen Adriaküste beträgt nach Angaben des Projektkonsortiums 105 Kilometer. Der Endpunkt liegt 8 Kilometer weiter auf dem Festland Italiens, so dass die Gesamtlänge der Gasleitung fast 870 Kilometer umfasst. Der höchste Punkt wird mit 1800 Meter in Albanien in den Bergen sein, während in der Adria eine Tiefe von 820 Meter erreicht wird. In Albanien starteten Anfang Juli Bauarbeiten für Straßen und Brücken. Das Verlegen der Pipeline haben sich die Projektteilnehmer für das nächste Jahr vorgenommen. Am Projektkonsortium sind die britische BP, Aserbaidschans Nationale Ölgesellschaft Socar und die norwegische Statoil zu je 20 Prozent beteiligt. Der belgische Fernleitungsbetreiber Fluxys verfügt über 19 Prozent, während Spaniens Enagás 16 Prozent innehat und auf die Schweizer Axpo der Rest entfällt. Fluxys und Enagás haben im September 2014 die Anteile von E.on und Total übernommen. Laut Medienberichten sind Aktionäre im Konsortium jetzt interessiert, an den italienischen Fernleitungsbetreiber Slam ihre Anteile zu veräußern. Im Gespräch seien 20 Prozent zu einem Wert von rund 400 Millionen US-Dollar.

Südosteuropa braucht drei Lieferquellen

Ziel ist es nach Worten des Vizepräsidenten der Europäischen Kommission und Verantwortlichen für die Energieunion Maros Sefcovic, dafür zu sorgen, dass die betreffenden Länder in Europa über mindestens drei Gaslieferquellen verfügen.

Südosteuropa soll Gas aus Aserbaidschan über den Südlichen Gaskorridor erhalten.
Grafikquelle: TAP-Konsortium

Hierzu trägt seiner Ansicht nach der Südliche Gaskorridor vorzugsweise bei, auf dem Gas aus Aserbaidschan über die Türkei und TAP nach Italien transportiert werden soll. Um Balkanstaaten wie Serbien und auch Bulgarien mit aserbaidschanischem Gas beliefern zu können, ist als Abzweig der TAP eine Verbindungsgasleitung zwischen Griechenland und Bulgarien und eine Verbindungsgasleitung zwischen Bulgarien und Serbien vorgesehen, die beide wie die TAP selbst zu den Projekten höchster Priorität zählen. Das künftige Flüssiggas-LNG-Terminal auf der kroatischen Insel Krk gehört eben so dazu, da er die Region an internationale Lieferungen anschließt. Trägt das heute in Wien geschlossene Nuklearabkommen mit dem Iran darüber hinaus Früchte, kann der Südliche Gaskorridor auf eine weitere ergiebige Gasquelle hoffen, so dass die Transportkapazität der Tanap auf 30 und die der TAP auf 20 Milliarden Kubikmeter Gas erhöht und damit die südosteuropäische Region versorgt werden kann.