Start Europa Gazprom-Chef Miller spricht mit Putin über Poseidon

Gazprom-Chef Miller spricht mit Putin über Poseidon

Alexej Miller unterrichtet Präsident Putin über den neuesten Stand seines Unternehmens.
Bildquelle: www.kremlin.ru

Der Vorstandsvorsitzende von Russlands Gasmarktführer Gazprom, Alexej Miller, unterrichtete Präsident Wladimir Putin über das jüngste Abkommen seines Unternehmens mit Italiens Gasversorger Edison und der griechischen Gasgesellschaft DEPA in Rom. Bis Ende 2016 soll geprüft werden, ob der Bau einer Gasleitung aus Russland durchs Schwarze Meer über Drittstaaten nach Griechenland und von dort weiter nach Italien technisch und wirtschaftlich machbar sei, erläuterte Miller auf Putins Nachfrage zum Abkommen. Als Ausgang diene für die europäischen Partner das Poseidon-Projekt, das griechische, italienische und französische Kollegen seinerzeit zum Transport von jährlich 12 Milliarden Kubikmeter Gas aus Aserbaidschan von Griechenland über das Ionische Meer nach Süditalien entwickelten.

ITGI als Baustein für Europa

Grafikquelle: Edison
Grafikquelle: Edison

Poseidon selbst bezieht sich auf eine avisierte 200 Kilometer lange Gasleitung im Ionischen Meer, die Griechenland und Italien verbinden soll. Dieses Projekt trieben Edison und DEPA voran. An Land in Griechenland arbeitete der griechische Gasnetzbetreiber Desfa an einem Projekt zum Bau einer 600 Kilometer langen Gasleitung. Zusammen mit der bestehenden Verbindungsgasleitung Türkei-Griechenland bilden die beiden Leitungsabschnitte an Land und im Meer den Interconnector Türkei-Griechenland Italien ITGI. Dieser war als Anschlussleitung für den Südlichen Gaskorridor vorgesehen, über den aserbaidschanisches Gas vom Vorkommen Shah Deniz im Kaspischen Meer nach Italien transportiert werden soll. Jedoch entschied sich das Shah-Deniz-Konsortium an dieser Stelle für die Transadria-Gasleitung, die über Griechenland, Albanien, durch die Adria nach Italien führen soll. Die Projektentwicklung von ITGI unterstützte die Europäische Union damals auch finanziell.

ITGI für Russland

Nun will offensichtlich Russland prüfen, ob sich mit der einstigen europäischen Anschlussvariante für den Südlichen Gaskorridor aus Südkaukasus-Gasleitung, Trananatolischer Pipeline Tanap und TAP statt ITGI eine Option anbietet, Südeuropa doch noch über das Schwarze Meer wie beim offiziell eingestellten South-Stream-Projekt mit russischem Gas zu versorgen. Wer als Drittstaat bei den neuen Plänen infrage kommt, ließ Miller gegenüber Präsident Putin offen. Auch Putin selbst nannte kein Land, das als Anlegerstaat für eine Schwarzmeergasleitung die Brücke nach Griechenland schlagen soll. Die russisch-türkischen Beziehungen sind nach dem Abschuss eines russischen Kampfjets durch die türkische Luftwaffe im November 2015 weiterhin angespannt, so dass das Nachfolge-projekt Turkish Stream zum Erliegen gekommen ist. Beteuert Russland nach Gerüchten, dass South Stream kein Thema mehr ist, steht die Tür für Turkish Stream noch offen, sofern sich die Beziehungen zwischen den Ländern normalisieren und die Türkei Interesse zeigt.