Start Europa Gazprom setzt auf Gasbrücke Nord

Gazprom setzt auf Gasbrücke Nord

Gazprom baut Gasbrücke Nord mit Pipeline und LNG aus.
Bildquelle Gazprom

Der russische Gaskonzern Gazprom hat den österreichischen Mineralölkonzern OMV, den deutschen Energieversorger E.on und den internationalen Öl- und Gasmulti Shell um sich geschart und Mitte Juni in St. Petersburg mit ihnen ein Abkommen zum Ausbau der Ostseegasleitung geschlossen. Zwei neue Leitungsstrenge sollen von der russischen an die deutsche Ostseeküste verlegt werden, so dass sich die jährliche Transportkapazität  auf 110 Milliarden Kubikmeter Gas verdoppelt. Dieses Volumen entspricht dem Lieferumfang, den Gazprom einst über den Nachbarn Ukraine nach Europa exportiert hat. Hier waren es im letzten Jahr nur noch 59,4 Milliarden Kubikmeter Gas. Im ersten Halbjahr 2015 ist der Transitumfang gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum nach Angaben von Ukrtransgaz um 21 Prozent auf 28,7 Milliarden Kubikmeter gefallen. Ein Großteil davon erhält die Türkei, Gazproms zweitgrößter Abnehmer nach Deutschland. Durch den Konflikt mit der Ukraine strebt Gazprom an, seine Hauptabnehmer auf direktem Weg zu versorgen. Für Deutschland soll die Gasbrücke Nord verstärkt und für die Türkei der erste Leistungsstrang im Schwarzen Meer von Russland an den Bosporus verlegt werden. Beide Länder sind dann komplett an die gigantischen Gasvorkommen in West- und Nordsibirien angeschlossen.

Gasbrücke per Schiff und Pipeline

Für Gazprom-Chef Alexej Miller steht außer Frage, dass der Importbedarf der Europäer steigen wird, auch wenn sie weniger Gas verbrauchen. Denn die Vorkommen in Europa seien rückläufig, erläuterte er erneut auf der Jahreshauptversammlung seines Unternehmens in Moskau Ende Juni. Mit seiner Nummer 1 zeigt sich Gazprom äußerst zufrieden. Im Juni bezog Deutschland 20 Prozent Gas mehr als im Juni 2014, hieß es beim Gaskonzern. Damit auch Schiffslieferungen mit russischem Flüssigerdgas LNG regelmäßig die Ostsee  passieren, plant Gazprom, in Ust-Luga westlich von St. Petersburg ein LNG-Werk zu errichten, das im Jahr 10 Millionen Tonne LNG produzieren kann. Mit Blick auf ein Abkommen zur strategischen Partnerschaft mit Shell in St. Petersburg folgten demnächst Gespräche über den Einstieg des Öl- und Gasmultis in das Projekt zum Ostsee-LNG-Werk, so Miller auf der Pressekonferenz zur Jahreshauptversammlung in Moskau. Bei Nord Stream 2 rechnet Miller damit, dass die deutsche BASF-Tochter Wintershall sich dem Ausbauprojekt noch bis September anschließt. Als Startort der zweiten Ostseegasleitung  ist seinen Worten nach Ust-Luga vorgesehen. Ansonsten soll sie mit dem Verlauf von Nord Stream 1 übereinstimmen und ebenfalls bei Lubmin nahe Greifswald in Deutschland anlanden. Über den Ausbau von Anschlussleitungen in Deutschland müsse allerdings noch geredet werden. Erste Verhandlungen über einen erhöhten Güterverkehr zwischen den Ostsee-Häfen Sassnitz Mukran auf Rügen und Ust-Luga laufen derweil bereits. Hier hat sich im Juni eine Regierungsdelegation aus Mecklenburg-Vorpommern in Russland vor Ort ein Bild der Lage verschafft. Läuft alles nach Gazproms-Vorstelungen, können die zweite Ostseegasleitung 2019 und das LNG-Werk 2020 in Betrieb genommen werden. Bis dahin will Gazprom auf der notsibirischen Halbinsel Jamal am Bowanenkowo-Feld allein 115 Milliarden Kubikmeter Gas fördern können, um für die erweiterte Gasdrücke Nord gerüstet zu sein.