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Heizen mit Wasserstoff

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Quelle: Energie Südbayern

Die oberbayerische Marktgemeinde Hohenwart im Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm gilt bundesweit als Pionier für die urbane Wärmewende. Was im Herbst 2023 als wissenschaftlich begleitetes Pilotprojekt unter dem Namen „H2Direkt“ begann, ist im Juni 2026 offiziell in den regulären Dauerbetrieb übergegangen. Unter dem neuen Projektnamen „H2Dahoam“ demonstriert die Gemeinde, dass die Nutzung von Wasserstoff zum Beheizen von Bestandsgebäuden über die vorhandene Infrastruktur langfristig und sicher funktioniert.

Struktur des Wärmeprojekts

Das Gemeinschaftsprojekt von Energie Südbayern (ESB), Energienetze Bayern und der Thüga versorgt in einem technisch isolierten Abschnitt des lokalen Gasnetzes zehn Privathaushalte und einen Gewerbebetrieb mit 100 Prozent Wasserstoff. Ein entscheidender Vorteil liegt in der Nutzung bestehender Strukturen. So erwiesen sich die bereits in der Erde verlegten Gasleitungen und Hausanschlüsse sich als vollständig wasserstofftauglich.

Für die teilnehmenden Bürger hielt sich der Umrüstungsaufwand im Gebäude in engen Grenzen. Neben dem Einbau angepasster Gaszähler wurden im Mai 2026 die anfänglichen Testgeräte durch hochmoderne, CE-zertifizierte Serien-Wasserstoffthermen des Typs ecoTEC plus VC vom Technologiepartner Vaillant ersetzt. Diese Geräte arbeiten reibungslos mit den klassischen Heiz- und Warmwassersystemen in den Kellern zusammen und verbrennen den Energieträger absolut emissionsfrei.

Lokale Erzeugung und Netzausbau ab 2027

Aktuell wird der benötigte grüne Wasserstoff noch per Lkw-Trailer angeliefert und vor Ort in das lokale Netz eingespeist. Die Zukunftspläne der Gemeinde gehen jedoch deutlich weiter. Um das System autark und nachhaltiger zu gestalten, hat der Gemeinderat von Hohenwart bereits einstimmig die Aufstellung eines entsprechenden Bebauungsplans beschlossen.
Bis 2027 soll in direkter Nähe zur Einspeiseanlage ein eigener Elektrolyseur errichtet werden, der grünen Wasserstoff direkt vor Ort aus erneuerbaren Energien erzeugt. Ein zusätzlich Wasserstoffspeicher ist für die lokale Versorgungssicherheit und den Weg für eine schrittweise Erweiterung des Netzes auf weitere Gemeindegebiete vorgesehen. Durch die geplante zukünftige Anbindung Hohenwarts an das deutsche Wasserstoff-Kernnetz bleibt die Gemeinde ein zentraler Knotenpunkt der angewandten Energiewende.

Kontroversen und Ausblick im Wärmemarkt

Trotz des technischen Erfolgs und des großen politischen Rückhalts, unter anderem durch Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der das Projekt als Paradebeispiel für Technologieoffenheit lobt, bleibt das Heizen mit Wasserstoff in der Fachwelt nicht unumstritten. Kritiker und Energieexperten verweisen auf die thermodynamischen Nachteile gegenüber Wärmepumpen. Da bei der Elektrolyse, dem Transport und der Verbrennung erhebliche Energieverluste entstehen, benötigt eine Wasserstoffheizung für dieselbe Wärmemenge deutlich mehr Primärstrom als eine Wärmepumpe.
Dennoch liefert Hohenwart wertvolle Erkenntnisse für die Praxis. Während Wärmepumpen vor allem in gut gedämmten Neubauten dominieren, bietet das Hohenwarter Modell eine vielversprechende Option für den unrenovierten Gebäudebestand. Es demonstriert erfolgreich, wie die bestehende Gasinfrastruktur vor dem wirtschaftlichen Verfall bewahrt und sinnvoll für eine klimaneutrale Zukunft transformiert werden kann.

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