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Pipeline-Ticker 2021

Quelle: Dänische Energieagentur

27. Januar

Der neue US-Präsident Joe Biden bezeichnete das russische Gasprojekt Nord Stream 2 als “ein schlechtes Geschäft für Europa”, berichteten russische Agenturen. Dies äußerte die   Pressesprecherin des Weißen Hauses Jen Psaki und beantwortete damit die Frage nach der Position der neuen US-Präsidentenverwaltung zur russischen Gaspipeline. Sie betonte, dass Bidens Team beabsichtige, die von den Vorgängern verhängten Sanktionen gegen Nord Stream 2 zu untersuchen. Das russische Pipeline-Verlegeschiff Fortuna befindet sich aktuell laut Marine Traffic südlich von der dänischen Insel Bornholm, während die Akademik Tscherski weiterhin im Wismarer Hafen liegt. Nach Angaben vom Pipeline-Betreiber Nord Stream 2 führt die Fortuna Vorbereitungsarbeiten und Tests zur folgenden Rohrverlegung durch. Gegen sie und den Schiffseigner richten sich die jüngsten US-Sanktionen. 

In der Regierungspressekonferenz des Auswärtigen Amtes am 25. Januar 2021 forderte Regierungssprecher Steffen Seibert die Freilassung des russischen Oppositionspolitikers Alexej Nawalny   und verurteile das harte Vorgehen russischer Sicherheitskräfte gegen friedliche Demonstranten. Auf die Frage zur Forderung des europäischen Parlamentes, Nord Stream 2 wegen der Verhaftung Nawalnys zu stoppen, sagte Seibert: “Wir haben die Forderung des Europäischen Parlaments bezüglich dieses Themas zur Kenntnis genommen. Die europäischen Außenminister beraten ja heute in Brüssel, wie sie sich bezüglich der Ereignisse in Russland am Wochenende verhalten. Die bisherigen Sanktionen, die im Oktober in Kraft getreten sind, betreffen ja nicht Nord Stream, sondern sie betreffen Personen und Institutionen in direktem Zusammenhang mit dem Fall Nawalny, und einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fall Nawalny und dem Projekt Nord Stream 2 besteht nicht.”

25. Januar

Das russische Pipeline-Verlegeschiff Fortuna hat Medienberichten zufolge in dänischen Gewässern die Arbeiten an der Trasse von Nord Stream 2 aufgenommen. Es gehe um Vorbereitungsarbeiten und Tests vor der eigentlichen Rohrverlegung, ließ der Pipeline Betreiber Nord Stream 2 hierzu wissen. Genehmigt sind diese von der dänischen Schifffahrtsbehörde bereits ab 15. Januar 2021. Die Akademik Tscherski liegt seit 24. Januar 2021 im deutschen Ostseehafen Wismar.

22. Januar

Laut Marine Traffic befindet sich das russische Pipeline-Verlegeschiff Akademik Tscherski auf dem Weg zum deutschen Ostseehafen Wismar und passiert gerade das Gebiet südlich der dänischen Ostseeinsel Bornholm. Die Fortuna hat am 21. Januar 2021 abends den Rostocker Hafen verlassen und ankert jetzt östlich von der Ostseeinsel Rügen im Einsatzgebiet. Gegen sie hat die US-Regierung jüngst Sanktionen verhängt, da sie die restlichen Rohrkilometer der Ostseegasleitung Nord Stream 2 mit verlegen soll.

Ein Sprecher vom Betreiber Nord Stream 2 verwies auf Anfrage zum Start der Verlegearbeiten auf die Bekanntmachung für Seefahrer NM-039-21 von der Dänischen Schifffahrtsbehörde DMA. Die Behörde habe darin Arbeiten ab dem 15. Januar 2021 angekündigt. Dabei handele es sich zunächst um vorbereitende Arbeiten und Tests, bevor die eigentliche Verlegung beginnt: Piperline-Arbeiten Dänemark.

Quelle: http://nautiskinformation.soefartsstyrelsen.dk/#/messages/table

Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärte in ihrer Pressekonferenz am 21. Januar 2021 auf die Frage zur Zukunft von Nord Stream 2: “Meine grundsätzliche Einstellung zu Nord Stream 2 hat sich nicht verändert. Für mich war wichtig, dass die Ukraine einen Gasvertrag bekommt. Wir werden natürlich mit der neuen amerikanischen Administration darüber sprechen, weil es ja in den Vereinigten Staaten von Amerika ‑ und auch in Teilen Europas ‑ sehr parteiübergreifend kritisch gesehen wird. Wir müssen aber auch darüber sprechen, welche Wirtschaftsbeziehungen im Gasbereich mit Russland akzeptabel sind und welche nicht.”

In einer aktuellen Entschließung fordert indes das Europäische Parlament deutlich schärfere EU-Sanktionen gegen Russland. Anlass ist die Verhaftung des Regimekritikers Alexej Nawalny bei seiner Einreise nach Russland. “Nach Jahren der Verschlechterung der Beziehungen betonen die Abgeordneten, wie wichtig es ist, die Zusammenarbeit mit Russland auf verschiedenen außenpolitischen Plattformen und bei Vorhaben wie Nord Stream 2 kritisch zu überprüfen”, heißt es in der Pressemitteilung des Europäisches Parlamentes am 21. Januar 2021. Sie forderten die EU auf, die Fertigstellung der umstrittenen Pipeline umgehend zu verhindern und Nawalny umgehend freizulassen.

21. Januar

US-Präsident Joe Biden werde sich dafür einsetzen, dass Gasleitungsprojekt Nord Stream 2 zu stoppen, berichteten russische Medien kürzlich im Januar. Auch Bundesaußenminister Heiko Maas räumte beim ntv Frühstart ein, dass Nord Stream 2 ein strittiges Thema bleibe. Zur Auswirkung durch letzte Entwicklungen auf die Inbetriebnahme von Nord Stream 2 äußerte sich Maas hier sehr zurückhaltend. “Das wird sich in den kommenden Wochen und Monaten entscheiden, ob das der Fall sein wird. Das kann im Moment niemand voraussagen.”

So sind infolge der jüngsten Sanktionsverhängung gegen das Pipeline-Verlegeschiff Fortuna und den Schiffseigner RVT-RUS laut Medien der deutsche Konzern Bilfinger und die Schweizer Zurich Insurance Group aus dem Projekt ausgestiegen. Das norwegische Zertifizierungsunternehmen DNV GL ist im letzten Jahr ausgestiegen. Dazu sagte Maas: “Es gibt Unternehmen, die sich das sehr genau anschauen und sich entscheiden, sich möglicherweise von dem Projekt zurückzuziehen.” Wann deutsch-amerikanische Regierungskonsultationen zum Sanktionsablauf stattfinden, sagte er nicht.

19. Januar

Auch wenn das Projekt Nord Stream 2 unter hohem Sanktionsdruck vonseiten der USA stehe, beabsichtige Gazprom die zweite Ostseegasleitung fertigzustellen, berichtete die russische Nachrichtenagentur Prime. Dies erklärte ein Topmanager des russischen Gaskonzerns bei einer Pressekonferenz. Wegen des Sanktionsdrucks seien die Möglichkeiten, Schritte zur Projekt-Umsetzung zu kommentieren, stark begrenzt. “Ich kann bestätigen, dass Gazprom beabsichtigt, dieses Projekt abzuschließen, die Gaspipeline zu bauen und damit seine europäischen Verbraucher mit Gas zu versorgen “, zitierte Prime den Topmanager.

“Die USA haben am 18. Januar erstmals Sanktionen gegen ein an Nord Stream 2 beteiligtes Unternehmen verhängt. Diese richten sich gegen das russische Pipeline-Verlegeschriff “Fortuna”, informierte der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft zum aktuellen Sanktionsstand. Der Ost-Ausschuss-Vorsitzende Oliver Hermes sieht dennoch weiter eine gute Möglichkeit, dass die Bundesregierung mit der neuen Biden-Administration eine Lösung finden wird, um die Ostsee-Pipeline Nord Stream zeitnah fertigzustellen und zu betreiben. Führende Demokraten, darunter der designierte Außenminister Blinken, hätten klargestellt, dass sie eine Bevormundung wichtiger Verbündeter durch die USA im Stil von „America First“ ablehnen. Sollte Nord Stream 2 gestoppt werden, rechnet Hermes mit steigenden Gas- und Strompreisen für die europäischen Verbraucher und die Industrie.

15. Januar

Aktuell befinden sich die zwei russischen Pipeline-Verlegeschiffe im Hafen, die Fortuna im Rostocker Hafen und die Akademik Tscherski vor Kaliningrad. Medien zufolge soll die Fortuna die Verlegearbeiten in den dänischen Gewässern aufnehmen. Die Dänische Energieagentur habe die Aufnahme der Verlegearbeiten dort ab 15. Januar 2021 genehmigt.

Zugleich genehmigte das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) dem Gasleitungsbezreiber Nord Stream 2 die, die Leitungsabschnitte von Nord Stream 2 in der deutschen ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) auf einer Länge von ca. 16,5 km sowie ca. 13,9 km auch im Zeitraum von Ende September 2020 bis Ende Mai 2021 zu verlegen. In Summe handelt es folglich um rund 30 km Rohrleitung, die hier noch zu verlegen. In dänischen Gewässern sind es 120 km. Da es sich um zwei Leitungsstränge handelt, beträgt die Lücke zwischen den verlegten Leistungsenden 75 km.

Nord Stream 2 hatte im Juli 2020 einen Antrag auf Änderung der 2018 erteilten Genehmigung für die Verlegung der Gasleitung gestellt. “Der Antrag betrifft die Genehmigung eines neuen Zeitfensters für die Verlegung der Rohrleitungen mit einem ankerpositionierten Schiff auf der verbleibenden Strecke in der deutschen AWZ. Die Pipeline verläuft in der Ostsee südlich von Bornholm durch die Pommersche Bucht nach Lubmin”, erläuterte das BSH in der Pressemitteilung.

Noch sind die weiteren Sanktionen gegen das Gasleitungsprojekt Nord Stream 2 in den USA nicht endgültig verabschiedet. Deutschland bemüht sich hier um eine Klärung und lehnt exterritoriale Sanktionen ab.

6. Januar

Seit Jahresbeginn erhält nun auch Serbien von Russland Gas über die Schwarzmeergasleitung Turkish Stream. Die zwei Leitungsstränge von Turkish Stream landen nach über 900 Kilometern im Schwarzen Meer am westlichen Bosporus in der Türkei an. Ein Strang versorgt den türkischen Markt und ist an das nationale Gasnetz angeschlossen. Der zweite Strang führt an Land an die bulgarische Grenze, um von dort den Balkanraum zu versorgen. Dafür hat der bulgarische Gasntransportnetzbetreiber Bulgartransgaz das Gasnetz im Land ausgebaut. Dazu gehören erhöhte Durchleitungskapazitäten im Grenzbereich zur Türkei, das  Fitmachen der Transbalkanpipeline für den Gastransport in die Gegenrichtung, so dass auch Rumänien russisches Gas über Turkish Stream beziehen kann und eine neue Ost-West-Verbindung nach Serbien.

In Serbien baute Gastrans, ein Gemeinschaftsunternehmen vom serbischen Gasversorger Srbijagas und Gazprom, eine Pipelinetrasse von der bulgarischen an die ungarische Grenze. Die Trasse ist 403 Kilometer lang und kann im Jahr knapp 14 Milliarden Kubikmeter Gas transportieren. Zum Jahresbeginn eröffnete der serbische Präsident Aleksandar Vučić den Balkanstrom, über den nun auch der Nachbar Bosnien und Herzegowina versorgt werden kann. Sechs europäische Länder könnten nun über Turkish Stream Gas importieren: Bulgarien, Griechenland, Nordmazedonien, Rumänien, Serbien und Bosnien und Herzegowina, erklärte Gazprom-Chef Alexej Miller. Am 9. Januar 2020 nahmen der russische Präsident Wladimir Putin und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan am in Istanbul die Scharzmeergasleitung in Betrieb.