Unabhäng von Erdgasimporten mit Geothermie

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    Quelle: LIAG

    Das Leibniz-Institut für Angewandte Geophysik (LIAG) empfiehlt sofortigen Ausbau der Ökowärme mit Geothermie, um von Erdgasimporten unabhängig uu werden. Hierzu führte das Institut eine Metastudie zum Potenzial der Geothermie als erneuerbare Energie und als Ersatz für fossile Brennstoffe in der Wärmeversorgung in Deutschland und veröffentliche jüngst diese Ende April.

    „Die Ergebnisse machen deutlich: Ohne den durch Sofortmaßnahmen initiierten, massiven Ausbau der Geothermie ist der Aufbau des Ökowärmesektors zur Erreichung der nationalen Klimaschutzziele nicht möglich. Dies geht auch mit einer praxistauglichen Reduktion des Energiebedarfs im Bereich Raumwärme und Warmwasser durch Gebäudesanierung einher. Die Handlungsempfehlungen können die Ausarbeitung einer nationalen Erdwärmestrategie unterstützen“, so LIAG zur Metastudie.

    Stark abhängig von Erdgasimporten

    Dreiviertel der aktuellen Wärmeversorgung Deutschlands seien insgesamt von Importen fossiler Brennstoffe wie Erdgas, Erdöl und Kohle abhängig. 33,4 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland entfielen 2020 auf den Bereich Raumwärme und Warmwasser. Folglich verursachte dieser Sektor zwischen 87 bis 89 Millionen Tonnen CO2-Emissionen jährlich. Demnach sei er für den Großteil der CO2-Emissionen im Gebäudesektor verantwortlich. Im Zuge der Reduktion von Kohlendioxidemissionen im Wärmesektor müsse den Anteil fossiler Wärmeversorgung Ökowärme übernehmen.

    Die Forscher und Forscherinnen vom LIAG werteten in ihrer neuen Studie bestehende Potenzialstudien zur Geothermie übergreifend aus und analysierten den Energiebedarf im Bereich Raumwärme und Warmwasser der Bundesrepublik Deutschland über die vergangenen 12 Jahre. Hier zeigte sich das Potenzial von Geothermie als erneuerbare Energie für den Wärmesektor deutlich. Aktuell mache die Geothermie als erneuerbare Ökowärme nur einen Anteil von 10 Prozent aus und somit nur rund 1,5 Prozent des gesamten Wärmebedarfs in Deutschland. Um die Unabhängigkeit von ergasimporten zu beschleunigen sehen die Studienautoren und -autorinnen dringenden Handlungsbedarf mit konkreten und zeitlich terminierten Ausbauzielen für die oberflächennahe, mitteltiefe und tiefe Geothermie. „Ohne den Ausbau der Geothermie würde im Ökowärmesektor bis 2045 eine Versorgungslücke von mindestens 138 TWh/a entstehen“, waren sie.

    Versorgungslücke verhindern

    „Die Geothermie, bestehend aus oberflächennaher Geothermie mit Einsatz erdgekoppelter Wärmepumpen sowie tiefer Geothermie, kann unter Einsatz etablierter Technologien zukünftig bis zu 42 Prozent der Ökowärme für den Bereich Raumwärme und Warmwasser abdecken“, erklärt Prof. Dr. Inga Moeck, Leiterin des Fachbereichs Geothermik und Informationssysteme am LIAG und Autorin der Studie. „Für die Formulierung der Ausbauziele der oberflächennahen und tiefen Geothermie bieten bereits vorhandene Studien unterschiedliche Lösungen. Mit einem Blick in den Energieverbrauch der vergangenen 12 Jahre konnte ich so entscheiden, welche der analysierten Studien solide Zielmarken zum Ausbau der Ökowärme mit Geothermie liefern.“

    Für die Umsetzung hält Moeck verschiedene Maßnahmen für notwendig. Bei entsprechender geologischer Datengrundlage und gezielter Förderung kann ihrer Ansicht nach der geothermische Untergrund in verschiedenen Tiefen effizient genutzt werden. Bereits jetzt stehe schon eine große Bandbreite geothermischer Technologien zum Einsatz bereit. Eine effiziente Nutzung etablierter geothermischer Technologien sieht die Nutzung des geologischen Untergrunds für den Bedarf an Wärme, Kälte und Speicherung vor. Der Anteil erdgekoppelter Wärmepumpen in der oberflächennahen Geothermie soll zudem von derzeit knapp 30 Prozent auf gut 50 Prozent der insgesamt verbauten Wärmepumpen angehoben werden. Sie seien effizienter als Luftwärmepumpen, so dass ein zusätzlicher Strombedarf von etwa 4 TWh pro Jahr bis 2045, insbesondere zu Spitzenlastenzeiten im Winter eingespart werden könnte.