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Gazprom versenkt Milliarden im Schwarzen Meer

Bildquelle: Gazprom

Obgleich der russische Gaskonzern Gazprom 2015 wieder auf die Gewinnspur eingebogen ist, macht er im Schwarzen Meer Milliardenverluste, da der Pipelinebau dort stockt. Aufgrund von Unsicherheiten bei der Durchführung des Projektes South Stream erkannte die Unternehmensgruppe eine Wertminderung des Vermögens für nicht abgeschlossene Bauobjekte in Höhe von 56,3 Milliarden Rubel (0,75 Milliarden Euro) an, geht aus dem Finanzbericht zum Jahr 2015 hervor, den Gazprom am 28. April veröffentlichte. Dieses Gasleitungsprojekt im Schwarzen Meer hatte der russische Gaskonzern zum Jahresende 2014 eingestellt und die Anteile der europäischen Partner am Konsortium South Stream Transport zu einem Kaufpreis von 883 Millionen Euro übernommen. Beteiligt waren Italiens Energieversorger Eni zu 20 Prozent, Frankreichs EDF und die deutsche Wintershall-Holding zu je 15 Prozent. Das Konsortium war zum Bau von vier Pipeline-Strängen von der russischen an die bulgarische Schwarzmeerküste mit einer gesamten jährlichen Transportkapazität von 63 Milliarden Kubikmeter Gas gegründet worden.

Drohende Verluste für das Nachfolgeprojekt im Schwarzen Meer

Zusätzlich schloss Gazprom Verträge zu einem Volumen von 4,4 Milliarden Euro zur Investition in das Nachfolgeprojekt Turkish Stream. Doch liegt auch dieses Projekt aktuell auf Eis, nachdem sich die türkischen und russischen Verhandlungspartner nicht auf ein zwischenstaatliches Abkommen einigen konnten und nach dem Abschuss eines russischen Militärjets durch die türkische Luftwaffen die Beziehungen der Länder im November 2015 nachhaltig gestört sind. Bereits im Juli 2015 kündigte Gazprom endgültig die Verträge mit Saipem. Zwei Pipelinelegeschiffe der Eni-Tochter, die anfänglich für South Stream zum Einsatz kommen sollten und dann für den Bau von Turkish Stream von der russischen an den türkischen westlichen Bosporus vorgesehen waren, verließen das Schwarze Meer wieder. Auch sie fuhren wegen der dadurch ausgebliebenen Pipelinelegearbeiten hohe Verluste ein, die Saipem über das Schiedsgericht am Internationalen Handelsgerichtshof in Paris einklagt. 760 Millionen Euro fordern die Italienern als Schadensersatz für die einseitige Kündigung des Vertrages zum Bau von South Stream durch das Konsortium ein. Im Februar 2016 rief das Konsortium South Stream Transport Saipem auf, von diesen Forderungen abzusehen und erklärte seine Absicht, andernfalls Gegenklage einzureichen. Dies steht ebenfalls in Gazproms Finanzbericht 2015. Im Moment formiere sich das Schiedsgericht, das den Zeitplan zur gerichtlichen Untersuchung festlege, heißt es hier weiter. Hieraus erwarte die Gazprom-Gruppe keine nachteiligen finanziellen Effekte. Im letzten Jahr steigerte der Gazprom-Konsern seinen Reingewinn um mehr als das Vierfache auf 787 Mrd. Rubel (10,6 Mrd. Euro).